Wenn Wir Jetzt Fahren, Garantiere Ich Dir, Dass Wir Sterben

spaetschicht.tv goes Redaktionswochenende

Was passiert, wenn man 54 Studenten drei Tage lang in den Bayerischen Wald schickt und dort in ein Selbstversorgerhaus mit nichts bis auf 13 Kästen Bier, einem Haufen Semmeln und ihrem puren Überlebenswillen steckt?

Bei spaetschicht.tv sind uns Selbstversuche ja kein Fremdwort, deswegen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese brennende Frage zu beantworten. 

Nett hier. Aber waren Sie schonmal in Baden-Württemberg?

Nun, wie es sich herausstellt, ist so ein Ausflug eine Aneinanderreihung von unumgehbaren Stressfaktoren für die Verantwortlichen (in unserem Falle: Eine passionierte Slammerin, ein verträumter Hobbymusiker und ein hochfliegender Radiomoderator). Zu hohe Teilnehmerzahl, zu niedrige Teilnehmerzahl, Unterkunft suchen, Unterkunft buchen, Kosten kalkulieren, Kohle kassieren, Bus organisieren, Zimmer stornieren, Essen planen, Essen kaufen fahren, “der Bus ist nicht da, Moment, alles gut, wir fahren!”, die Straße ist glatt, ein Leck im Dach, wann gibt es endlich Essen hier und was genau ist auf der Couch passiert? 

 

An dieser Stelle könnte man eine Lektion im Sinne von “Kinder, wir haben es versucht, damit ihr es nicht müsst” erwarten, schließlich lag die durchschnittliche Stundenzahl, was den Schlaf an diesem Wochenende betraf, bei 8 und Abendessen gab es auch nie pünktlich. 

Gelobt sei das Bier! Hochrechnungen haben ergeben, dass der Getränkemarkt in Waldkirchen (stolze 22km weg von unserer Herberge in Haidmühle) am Sonntag um 120 Liter Hopfengetränk ärmer war, als am Freitag zuvor. Der Hauptverantwortliche ist wohl das hoch-antizipierte Bierpong-Turnier – geplant, organisiert und moderiert von unserer passionierten Slammerin. Für diejenigen unter euch, die noch nicht mit dem Regelhandbuch dieses traditionellen Gesellschaftsspiels Bekanntschaft machen durften, eine Kurzzusammenfassung in ihren Worten: “Das Kugelige muss ins Runde.”

Gewinner: Bierussia Dortmund und Eintrichtern Frankfurt.

Bisschen was geht schon noch!

Es wäre aber sowohl unfair als auch unverantwortlich zu behaupten, wir hätten das Wochenende ausschließlich mit dem Konsumieren ethanolhaltiger Getränke verbracht. Schließlich haben oben genannte Verantwortliche ein komplettes Entertainmentprogramm für uns zusammengestellt, inklusive nützlichen Workshops. Von Storytelling über Fotografie und Dreh bis hin zu Moderation konnten unsere spaetschichtler, neu und alt, einiges an Know-How bei designierten Spezialisten einsacken. Wie viel von dem neu erworbenen Wissen hängen bleibt, sehen wir wohl in den nächsten Sendungen, doch erste Tapser im Halbschatten in Form von diversen Übungen gaben den fünf Mentoren Grund zur Hoffnung: Nachwuchstalente? Haben wir.

Naddis Gewinnerbild

Die wütende Regisseurin legte so eine beeindruckende Performance hin, dass sich einige im Raum fragten, ob es da hinten tatsächlich Zoff gibt. Der Fotoworkshop hat die ersten Teilnehmer dazu inspiriert, sich neue Kamera Objektive zu Weihnachten zu wünschen. Die Challenge “das beste Foto” führte dazu, dass spaetschichtler auf dem Boden liegend, auf Banken kletternd und hinter Lichterketten verschwindend entdeckt wurden. Die haben verstanden, wie das funktioniert.

Gewinner: Wie hart am Arsch der Welt sind wir bitte? (rechts abgebildet)

 

Was die Workshops allerdings am meisten förderten (bis auf den ein oder anderen Schwarm), waren Freundschaften. Man kennt das Problem: Neuer Job, neue Uni, neue Stadt, neue Hochschulgruppe, oder auch nur neue Leute in der alten Hochschulgruppe, irgendwo fehlt der Icebreaker und man geht unter in einem Meer von unbekannten Gesichtern. 

Nicht bei uns. 

Immer nur am Drehen, diese Medienstudenten

Ein riesiger Gemeinschaftsraum ist nie eine schlechte Idee bei solchen Fahrten. Besonders dann nicht, wenn man geduldig auf die Einkaufsfraktion des Landshuter Partybuses warten muss, der gerade mit 30 km/h um verschneite Ecken im niederbayerischen Hinterland kriecht. Bei uns muss man sich die Zeit nicht alleine totschlagen, weil immer irgendwo eine Partie Uno gespielt wird oder eine Gruppe sich Zettel an die Birne hält und nicht darauf kommt, welche berühmte, nicht echte, manchmal männliche und weder beliebt noch unbeliebte Person man sein soll (Hot tip: Siri ist eine fantastische Figur für wer bin ich?). Und während das Kochteam in der Küche die Reste seines Lebenswillens verliert, weil die Kartoffeln nicht durch sind, Team Klopabier im Weg steht, Man Wismanbun spuckt und der hochfliegende Radiomoderator die Kleine anspritzt, kann man noch ‘ne Runde ich hab noch nie einbauen. 

Und, nicht zu vergessen, hitzige Diskussionen, die sich darum drehen, welches Teammitglied am Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, weil die vertraute, alte Hexe zerfleischt vor der Grundschule gefunden wurde. Werwolf beweist sich auch hier als das absolut beste Gesellschaftsspiel auf diesem Planeten. Nein, Leserbriefe nehme ich derzeit keine an.

Gewinner: Die Kleine, die im leicht alkoholisierten Zustand nicht mit Macht umzugehen wusste.

 

Wenn die Sonne am dritten Tag aufgeht und der Schnee, durch den wir uns herkämpfen mussten, zu schmelzen beginnt, ist der Kater groß und die Enttäuschung darüber, dass dies unser letzter Tag irgendwo im nirgendwo ist, größer. Doch natürlich sollte das uns nicht daran hindern, eine wunderschöne Zeit zu haben. Wer im Haus bleiben und die Fußbodenheizung in vollen Zügen genießen will, darf das, doch wem das (undichte, einer finnischen Sauna ähnelnde) Dach auf den Kopf fällt, der kann Schlittenfahren gehen. Oder Wandern. Oder zum verlassenen Dorf pilgern, das inmitten eines schneebedeckten Waldes liegt und aus einer Kirche und einer Schule besteht. Dass der Fußweg dorthin in einer Schneeschlacht und einem fragwürdigen Fotoshooting enden würde, war wohl von Beginn an klar.

Das sind keine Glücksspiele, das ist reinstes Können!

Mit sauberer Bude und obligatorischem Gruppenfoto im Kasten, rollt auch schon der Bus ein. Es ist wohl fair zu sagen, dass wir uns von dem Redaktionswochenende mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden, denn während die gute Zeit vorbei ist, stehen uns mit diesem Team sicherlich noch bessere bevor.

 

Kurzzusammenfassung:

54 müde aber glückliche Medienstudenten
3 Tage Haidmühle
“Seit wann interessiert uns das, ob die Töpfe sauber sind?”
6 oder so Runden Werwolf
“Meine Nippel sind steinhart.”
194km auf dem Tankzähler
120 Liter Bier
“Wer hilft beim rubbeln?”
8kg Reis
“Ich habe keinen Alkohol getrunken.”

Der Arm des verträumten Musikers steckt noch immer in der Bettritze.

Gewinner: spaetschicht.tv.