“Passau for Choice”: Petition für sichere Schwangerschaftsabbrüche

Um die 20 Frauen und Männer stehen vor dem Passauer Rathaus. Sie halten beschriftete Pappschilder in die Höhe, tanzen und fordern lautstark ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Derzeit ist diese nämlich nicht vollständig gegeben: Am städtischen Klinikum sind Schwangerschaftsabbrüche verboten. Das soll sich ändern, fordert das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.

“Passau for Choice”: Bei einer Kundgebung forderten Aktivist:innen tanzend ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. – Foto

„Passau for Choice – Raise your voice.“ Unter diesem Motto stand die Kundgebung dieser Aktivistengruppe am 21. Oktober. Ein Tag, auf den die Mitglieder seit langem gewartet hatten. Oberbürgermeister Jürgen Dupper hatte sich nach mehreren Anfragen bereit erklärt, einen Termin mit dem Bündnis zu vereinbaren und über die Abtreibungssituation in Passau zu diskutieren.

Das Stadtoberhaupt hatte sich zuvor für das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen am städtischen Klinikum ausgesprochen, wie es derzeit besteht. Hierdurch haben Frauen, die ungewollt ein Kind erwarten, in Passau seit Jahren wenige Möglichkeiten, sicher abzutreiben. Es gibt lediglich eine Arztpraxis in der Dreiflüssestadt, die den Eingriff vornimmt. Jedoch sei diese stark überlaufen, berichtet Sara Köhl vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.

Laut einer Studie des Statista Research Department vom 28. Mai 2021 haben im Jahr 2020 knapp 100.000 Menschen einen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland durchführen lassen. Ein Mitglied des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung erklärte bei der Kundgebung, dass jährlich einige tausend Frauen aufgrund unsicherer Abtreibungen sterben. Bei solchen Eingriffen werden die Betroffenen nicht ausreichend beraten. 

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fordert deshalb, sichere Schwangerschaftsabbrüche am Klinikum Passau nach allen gesetzlichen Regelungen möglich zu machen. Es wurde 2019 aus den Organisationen Pro Choice und Pro Familia gegründet, welche sich auch für körperliche Selbstbestimmung im Allgemeinen einsetzen. Beispielsweise nehmen sie am “feministischen Kampftag” teil und machen auf Aktionen gegen Gewalt an Frauen aufmerksam. In Bezug auf die sicheren Schwangerschaftsabbrüche in Passau hat das Bündnis eine Petition gestartet, die Bürgermeister Dupper zu dem Gespräch mit ihnen am 21. Oktober bewegte. 

Während die Sprecherinnen mit dem Bürgermeister verhandelten, versammelten sich Befürwortende der Petition vor dem Rathaus. Mit Sprüchen wie: „Jürgen Dupper hör gut zu, Abtreibung ist kein Tabu!“ oder „My body – my Choice!“ drückten sie ihre Unterstützung für die Forderung nach sicheren Abtreibungen aus. Eine Rednerin des Bündnisses erklärte, dass Passau seit Jahrzehnten ein Beispiel für „traurige anti-feministische Politik“ sei. Man müsse der Haltung, Abbrüche seien “schamhaft” oder “straffällig”, ein Ende setzen.

Mit der Petition wurden mittlerweile knapp 2000 Unterschriften (Stand 28. Oktober) gesammelt und es sollen noch etliche folgen. Sara Köhl, eine der Pressesprecherinnen des BFSS, erklärte in einem Interview: „Der Großteil der Passauer Bevölkerung steht hinter uns. Wir hätten gedacht, weniger Zuspruch und mehr Gegenwind zu bekommen. Allerdings sind Abtreibungen ein super emotionales Thema, weshalb die Fakten oft nicht richtig betrachtet und die Betroffenen als Mörder dargestellt werden.“ Dem Bündnis ist es daher wichtig, weiterhin darüber aufzuklären und zudem auch auf Feminismus und sexuelle Selbstbestimmung aufmerksam zu machen. Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, werden sie ebenfalls teilnehmen und unabhängig von der Petition Aktionen planen, die sich für sexuelle Selbstbestimmung einsetzen.

Die Kundgebung und das Gespräch mit Jürgen Dupper haben dafür gesorgt, dass sich auch dieser über das Thema Schwangerschaftsabbrüche am Klinikum Passau informieren wird. Er hat zugestimmt, mit dem Bündnis im Dialog zu bleiben. Sara Köhl erklärt dazu am Ende des Interviews mit spaetschicht.tv NEWS: „Wir werden erst aufhören, wenn ein Kompromiss gefunden ist.“

Foto: Alina Stiepan